Eine Maschine, die 20 cm höher ist als die Türöffnung. Ein Stahlträger, der sich nur mit dem Hallenkran bewegen lässt. Eine Anlage, die breiter ist als jeder Container. Spätestens hier stellt sich die Frage: Open Top oder Flat Rack?
Beide Containerarten sind für Ladung gedacht, die im geschlossenen Standardcontainer keinen Platz findet — aber aus unterschiedlichen Gründen. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede, zeigt, was Übermaß für Seefracht und Containertransport auf der Straße bedeutet, und hilft bei der Wahl.
Ein geschlossener Container hat drei Engstellen: die Türöffnung (ca. 2,34 m breit und 2,28 m hoch beim Standardcontainer), das feste Dach, das keine Kranbeladung zulässt, und die Seitenwände, die die Breite auf etwa 2,35 m begrenzen. Welche dieser Grenzen Ihre Ladung sprengt, entscheidet über die richtige Alternative:
Der Open Top hat Boden, Seitenwände und Stirnwände wie ein Standardcontainer. Statt eines festen Dachs gibt es herausnehmbare Dachspriegel und eine Plane. Bei vielen Modellen lässt sich außerdem der Türquerträger über der Tür ausschwenken, damit hohe Güter per Stapler durch die Tür passen.
Typische Ladungen: Maschinenteile, Natursteinblöcke, Rohre und Profile, Glasgestelle, Kabeltrommeln, Holz. Also alles, was schwer ist, gut in die Grundfläche passt, aber nur per Kran oder von oben sinnvoll verladen werden kann.
Ragt die Ladung über die Oberkante hinaus, spricht man von Out of Gauge (OOG) in der Höhe. Die Plane wird dann über die Ladung gespannt. Auf dem Schiff kann der Container in diesem Fall nicht mehr beliebig gestapelt werden — Reedereien berechnen dafür Zuschläge.

Das Flat Rack reduziert den Container auf das Wesentliche: einen verstärkten Boden mit Zurrpunkten und zwei Stirnwände. Seitenwände und Dach fehlen ganz. Bei Collapsible Flat Racks lassen sich die Stirnwände umklappen; leere Racks werden dann gebündelt gestapelt und günstig zurückgeführt.
Typische Ladungen: Baumaschinen, Fahrzeuge, Boote, Transformatoren, Stahlkonstruktionen, Anlagenmodule — also alles, was breiter oder deutlich höher ist als ein Container oder sich nur von der Seite verladen lässt.
Durch den verstärkten Rahmen trägt ein Flat Rack deutlich mehr als ein Standardcontainer. Die Last muss aber richtig verteilt werden: Die zulässige Belastung pro laufendem Meter ist begrenzt — konzentrierte Punktlasten brauchen eine Lastverteilung mit Kanthölzern oder Stahlträgern.
Die folgenden Werte sind typische Richtwerte. Die tatsächlichen Maße und Zuladungen stehen auf dem CSC-Schild des jeweiligen Containers.
| Merkmal | Open Top 20' | Open Top 40' | Flat Rack 20' | Flat Rack 40' |
|---|---|---|---|---|
| Innenlänge | ca. 5,89 m | ca. 12,03 m | ca. 5,62 m | ca. 11,65 m |
| Innenbreite | ca. 2,35 m | ca. 2,35 m | ca. 2,20–2,40 m* | ca. 2,20–2,40 m* |
| Innenhöhe | ca. 2,35 m | ca. 2,35 m | ca. 2,23 m* | ca. 1,95 m* |
| Max. Zuladung | ca. 28 t | ca. 26 t | ca. 30 t | ca. 40 t |
| Beladung | von oben (Kran) oder durch die Tür | von oben und von beiden Seiten | ||
| Übermaß möglich | in der Höhe | in Höhe und Breite | ||
* Beim Flat Rack begrenzen nur die Stirnwände — die Ladung darf seitlich und nach oben überstehen.
Übermaß ist bei Flat Racks eher die Regel als die Ausnahme. Dabei gelten auf See und an Land unterschiedliche Grenzen:
Die Reederei muss OOG-Ladung vorab freigeben. Sie braucht dafür die genauen Überstände nach vorne, hinten, links, rechts und oben. Je nach Überstand blockiert der Container benachbarte Stellplätze — diese „Lost Slots“ werden mitberechnet. Planen Sie für die Freigabe einige Tage Vorlauf ein.
Für den Vor- und Nachlauf per LKW gelten die Grenzwerte der Straßenverkehrsordnung. Entscheidend ist die Gesamtabmessung von Fahrzeug und Ladung:
Ein Flat Rack mit 3,20 m breiter Ladung ist auf der Straße also ein Großraumtransport. Den Ablauf haben wir im Ratgeber zur Schwertransport-Genehmigung beschrieben. Oft wird ein Flat Rack für den Straßenlauf auf einen Tieflader statt auf ein Chassis verladen, um die Gesamthöhe zu reduzieren.
Praxistipp: Klären Sie die Straßengenehmigung parallel zur Schiffsbuchung. Eine Reedereifreigabe nützt nichts, wenn der Container im Hafen steht und die Genehmigung für den Nachlauf erst in zwei Wochen kommt — die Standgeld-Uhr läuft ab dem ersten freien Tag.
Bei beiden Containerarten liegt die Verantwortung für eine sichere Beladung beim Versender. Auf dem Seeweg wirken durch Rollen und Stampfen des Schiffs erheblich größere Kräfte als auf der Straße. Bewährt haben sich:
Die Grundregeln für alle Containerarten finden Sie im Ratgeber Container richtig beladen.

| Situation | Empfehlung |
|---|---|
| Ladung passt in die Grundfläche, muss aber per Kran eingesetzt werden | Open Top |
| Ladung ist bis zu einige Dezimeter höher als der Container, aber nicht breiter | Open Top mit Überhöhe |
| Ladung ist breiter als ca. 2,35 m | Flat Rack |
| Fahrzeug oder Baumaschine, die gefahren oder seitlich verladen wird | Flat Rack |
| Ladung schwerer als ca. 30 t auf 20 Fuß | Flat Rack 40' oder Plattform |
| Ladung zu groß für jeden Container | Break-Bulk oder direkter Schwertransport |
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