Container & Seefracht

Open Top vs. Flat Rack —
Container für Übermaß und Schwergut

📅 29. September 2026 ⏱ 7 Min. Lesezeit ✍ UNIVERS-LOG GmbH

Eine Maschine, die 20 cm höher ist als die Türöffnung. Ein Stahlträger, der sich nur mit dem Hallenkran bewegen lässt. Eine Anlage, die breiter ist als jeder Container. Spätestens hier stellt sich die Frage: Open Top oder Flat Rack?

Beide Containerarten sind für Ladung gedacht, die im geschlossenen Standardcontainer keinen Platz findet — aber aus unterschiedlichen Gründen. Dieser Ratgeber erklärt die Unterschiede, zeigt, was Übermaß für Seefracht und Containertransport auf der Straße bedeutet, und hilft bei der Wahl.

1. Wenn der Standardcontainer nicht mehr passt

Ein geschlossener Container hat drei Engstellen: die Türöffnung (ca. 2,34 m breit und 2,28 m hoch beim Standardcontainer), das feste Dach, das keine Kranbeladung zulässt, und die Seitenwände, die die Breite auf etwa 2,35 m begrenzen. Welche dieser Grenzen Ihre Ladung sprengt, entscheidet über die richtige Alternative:

2. Der Open-Top-Container

Der Open Top hat Boden, Seitenwände und Stirnwände wie ein Standardcontainer. Statt eines festen Dachs gibt es herausnehmbare Dachspriegel und eine Plane. Bei vielen Modellen lässt sich außerdem der Türquerträger über der Tür ausschwenken, damit hohe Güter per Stapler durch die Tür passen.

Typische Ladungen: Maschinenteile, Natursteinblöcke, Rohre und Profile, Glasgestelle, Kabeltrommeln, Holz. Also alles, was schwer ist, gut in die Grundfläche passt, aber nur per Kran oder von oben sinnvoll verladen werden kann.

Ragt die Ladung über die Oberkante hinaus, spricht man von Out of Gauge (OOG) in der Höhe. Die Plane wird dann über die Ladung gespannt. Auf dem Schiff kann der Container in diesem Fall nicht mehr beliebig gestapelt werden — Reedereien berechnen dafür Zuschläge.

Open-Top-Container mit Plane auf LKW
Open-Top-Container mit Plane: Seiten- und Stirnwände wie beim Standardcontainer, nur das Dach ist offen.

3. Das Flat Rack

Das Flat Rack reduziert den Container auf das Wesentliche: einen verstärkten Boden mit Zurrpunkten und zwei Stirnwände. Seitenwände und Dach fehlen ganz. Bei Collapsible Flat Racks lassen sich die Stirnwände umklappen; leere Racks werden dann gebündelt gestapelt und günstig zurückgeführt.

Typische Ladungen: Baumaschinen, Fahrzeuge, Boote, Transformatoren, Stahlkonstruktionen, Anlagenmodule — also alles, was breiter oder deutlich höher ist als ein Container oder sich nur von der Seite verladen lässt.

Durch den verstärkten Rahmen trägt ein Flat Rack deutlich mehr als ein Standardcontainer. Die Last muss aber richtig verteilt werden: Die zulässige Belastung pro laufendem Meter ist begrenzt — konzentrierte Punktlasten brauchen eine Lastverteilung mit Kanthölzern oder Stahlträgern.

4. Direktvergleich in Zahlen

Die folgenden Werte sind typische Richtwerte. Die tatsächlichen Maße und Zuladungen stehen auf dem CSC-Schild des jeweiligen Containers.

MerkmalOpen Top 20'Open Top 40'Flat Rack 20'Flat Rack 40'
Innenlängeca. 5,89 mca. 12,03 mca. 5,62 mca. 11,65 m
Innenbreiteca. 2,35 mca. 2,35 mca. 2,20–2,40 m*ca. 2,20–2,40 m*
Innenhöheca. 2,35 mca. 2,35 mca. 2,23 m*ca. 1,95 m*
Max. Zuladungca. 28 tca. 26 tca. 30 tca. 40 t
Beladungvon oben (Kran) oder durch die Türvon oben und von beiden Seiten
Übermaß möglichin der Höhein Höhe und Breite

* Beim Flat Rack begrenzen nur die Stirnwände — die Ladung darf seitlich und nach oben überstehen.

5. Übermaß: was im Hafen und auf der Straße gilt

Übermaß ist bei Flat Racks eher die Regel als die Ausnahme. Dabei gelten auf See und an Land unterschiedliche Grenzen:

Auf dem Schiff

Die Reederei muss OOG-Ladung vorab freigeben. Sie braucht dafür die genauen Überstände nach vorne, hinten, links, rechts und oben. Je nach Überstand blockiert der Container benachbarte Stellplätze — diese „Lost Slots“ werden mitberechnet. Planen Sie für die Freigabe einige Tage Vorlauf ein.

Auf der Straße

Für den Vor- und Nachlauf per LKW gelten die Grenzwerte der Straßenverkehrsordnung. Entscheidend ist die Gesamtabmessung von Fahrzeug und Ladung:

Ein Flat Rack mit 3,20 m breiter Ladung ist auf der Straße also ein Großraumtransport. Den Ablauf haben wir im Ratgeber zur Schwertransport-Genehmigung beschrieben. Oft wird ein Flat Rack für den Straßenlauf auf einen Tieflader statt auf ein Chassis verladen, um die Gesamthöhe zu reduzieren.

Praxistipp: Klären Sie die Straßengenehmigung parallel zur Schiffsbuchung. Eine Reedereifreigabe nützt nichts, wenn der Container im Hafen steht und die Genehmigung für den Nachlauf erst in zwei Wochen kommt — die Standgeld-Uhr läuft ab dem ersten freien Tag.

6. Beladung und Ladungssicherung

Bei beiden Containerarten liegt die Verantwortung für eine sichere Beladung beim Versender. Auf dem Seeweg wirken durch Rollen und Stampfen des Schiffs erheblich größere Kräfte als auf der Straße. Bewährt haben sich:

  1. Lastverteilung: Schwerpunkt möglichst mittig, Punktlasten auf Kanthölzer oder Stahlträger verteilen.
  2. Direktzurrung: Ketten oder Gurte direkt an Anschlagpunkten der Ladung und an den Zurrpunkten des Containers — Niederzurren allein reicht bei schweren Gütern selten aus.
  3. Formschluss: Keile, Knaggen und Stirnwände nutzen, wo möglich.
  4. Witterungsschutz: Beim Flat Rack ist die Ladung ungeschützt. Korrosionsempfindliche Teile werden verpackt, eingeschweißt oder mit einer Plane abgedeckt.

Die Grundregeln für alle Containerarten finden Sie im Ratgeber Container richtig beladen.

40-Fuß-Open-Top-Container mit Plane am Containerterminal
Open Top am Terminal: Vor der Abfahrt werden Plane, Spriegel und Sicherung geprüft.

7. Entscheidungshilfe

SituationEmpfehlung
Ladung passt in die Grundfläche, muss aber per Kran eingesetzt werdenOpen Top
Ladung ist bis zu einige Dezimeter höher als der Container, aber nicht breiterOpen Top mit Überhöhe
Ladung ist breiter als ca. 2,35 mFlat Rack
Fahrzeug oder Baumaschine, die gefahren oder seitlich verladen wirdFlat Rack
Ladung schwerer als ca. 30 t auf 20 FußFlat Rack 40' oder Plattform
Ladung zu groß für jeden ContainerBreak-Bulk oder direkter Schwertransport

8. Übermaß-Container mit UNIVERS-LOG GmbH

Wir organisieren den Straßentransport von Open Tops und Flat Racks zwischen Hafen, Werk und Baustelle — auch mit Übermaß:

FAQ — Häufige Fragen

Wann brauche ich einen Open-Top-Container?+
Ein Open Top ist die richtige Wahl, wenn die Ladung in die Grundfläche eines Containers passt, aber nur von oben per Kran verladen werden kann oder etwas höher ist als ein Standardcontainer. Typisch sind schwere Maschinenteile, Steinblöcke, Rohre oder Kabeltrommeln.
Wann brauche ich ein Flat Rack?+
Ein Flat Rack wird eingesetzt, wenn die Ladung breiter als etwa 2,35 m oder deutlich höher als ein Container ist oder von der Seite verladen werden muss. Das betrifft vor allem Baumaschinen, Fahrzeuge, Boote, Transformatoren und Stahlkonstruktionen.
Wie viel darf ein Flat Rack tragen?+
Ein 40-Fuß-Flat-Rack trägt typischerweise um die 40 Tonnen, ein 20-Fuß-Flat-Rack um die 30 Tonnen. Maßgeblich sind immer die Angaben auf dem CSC-Schild des Containers sowie die zulässige Belastung pro laufendem Meter.
Ist ein Flat Rack mit Übermaß auf der Straße genehmigungspflichtig?+
Ja, sobald Fahrzeug und Ladung zusammen breiter als 2,55 m, höher als 4,00 m oder schwerer als 40 Tonnen (44 Tonnen im Kombinierten Verkehr) sind. Dann ist eine Erlaubnis nach §29 StVO erforderlich, die über das VEMAGS-Verfahren beantragt wird.
Was bedeutet OOG?+
OOG steht für Out of Gauge und bezeichnet Ladung, die über die Außenmaße eines Containers hinausragt. Reedereien müssen OOG-Ladung vorab freigeben und berechnen häufig Zuschläge für die Stellplätze, die durch die Überstände blockiert werden.

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